"Taktische" Ausschlagung der Erbschaft durch Ehegatten

Unter Umständen besteht für den überlebenden Ehegatten die Möglichkeit, seinen ihm nach der erbrechtlichen Lösung zustehenden Erbteil (ein Viertel Erbe und ein Viertel pauschaler Zugewinnausgleich) deutlich aufzubessern.

Realer Ausgleich des Zugewinns

Wenn nämlich der Zugewinn des Erblassers während der Ehezeit den wesentlichen Teil des Ehevermögens ausmacht, könnte es für den überlebenden Ehegatten finanziell sinnvoll sein, den realen Ausgleich des Zugewinns zu verlangen. Der überlebende Ehegatte muss dann die angefallene Erbschaft ausschlagen, was dazu führt, dass ihm der Pflichtteil von der Hälfte seines gesetzlichen
Erbteils
  • von einem Viertel, also ein Achtel des Nachlasses, bei vorhandenen Abkömmlingen,
  • von der Hälfte, also ein Viertel des Nachlasses, bei Verwandten der zweiten Ordnung
zusteht (güterrechtliche Lösung). Damit kann die Ausgleichsforderung aus der Beendigung der Zugewinngemeinschaft zusammen mit dem Pflichtteil höher sein als der dem überlebenden Ehegatten zustehende gesetzliche Erbteil mit der pauschalen Abgeltung des Zugewinns.

Beispiel
A und B waren zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung ohne Vermögen. A hat in der Ehe den Haushalt geführt und sich um die Erziehung der gemeinsamen Kinder gekümmert. Zum Zeitpunkt seines Todes hat B ein Vermögen von 400.000 Euro, A hat während der Ehe keinen Zugewinn erzielt. Nach der gesetzlichen Erbfolge erbt A die Hälfte des Nachlasses, also 200.000 Euro, die beiden Kinder die andere Hälfte, also jeweils 100.000 Euro.
A kann die Erbschaft ausschlagen und ihren Anspruch auf Zugewinnausgleich aus dem tatsächlich erzielten Zugewinn ihres verstorbenen Ehegatten verlangen. Der Zugewinnausgleichsanspruch beträgt 200.000 Euro. Zusätzlich erhält sie noch ihren Pflichtteil in Höhe ihres gesetzlichen Erbteils von einem Viertel, also ein Achtel aus dem Nachlasswert von 400.000 Euro abzüglich ihres Zugewinnausgleichsanspruchs von 200.000 Euro, also ein Achtel aus 200.000 Euro. Das entspricht 25.000 Euro; am Nachlass des B ist seine überlebende Ehefrau also mit 225.000 Euro beteiligt.

Fachkundigen Rat einholen

Bevor der Weg der "taktischen Ausschlagung" der Erbschaft bestritten wird, sollte in jedem Fall eine Beratung durch einen fachkundigen Anwalt erfolgen. Für die Entscheidung ist insbesondere von Bedeutung, neben welchen Verwandten der überlebende Ehegatte erbt und in welchem Verhältnis der in der Ehe gemachte Zugewinn des Erblassers zum gesamten Nachlass steht und welchen Zugewinn der überlebende Ehegatte selbst erzielt hat. Seine Entscheidung muss der überlebende Ehegatte innerhalb der Ausschlagungsfrist von sechs Wochen treffen.

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